Was ist Aer medicalis (medizinische Druckluft)?

Aer medicalis bezeichnet hochreine, medizinische Atemdruckluft, die eine offizielle Arzneimittelzulassung besitzt und direkt für die Beatmung, Anästhesie sowie in der Aerosoltherapie eingesetzt wird. Da dieses Medium von Patienten direkt in die Lunge eingeatmet wird, unterliegt die Herstellung und Verteilung den strengen gesetzlichen Vorgaben des Europäischen Arzneibuchs (Ph. Eur.) und der Sicherheitsnorm ISO 7396-1 für Rohrleitungssysteme in der Krankenhausversorgung.

Die zentralen klinischen Anwendungen

  • Anästhesie: Sichere Erzeugung von präzisen Beatmungsgemischen in Kombination mit reinem Sauerstoff (O₂).
  • Intensivstation: Zuverlässiges Trägermedium für die kontinuierliche Langzeitbeatmung kritisch kranker Patienten.
  • Aerosoltherapie: Applikation und feine Inhalation flüssiger, medizinischer Wirkstoffe direkt in die Atemwege.


Strenge Reinheitsanforderungen nach ISO 8573-1 und Ph. Eur.

  • Partikel: Konsequent nach Klasse 1 (Gewährleistung höchster Partikelfreiheit).
  • Feuchtigkeit: Erfüllung der Klasse 4 (Drucktaupunkt von ≤ 5 °C bzw. ein maximaler Wasserdampfgehalt von ≤ 870 ppm).
  • Ölgehalt: Strikt nach Klasse 1 (Restölgehalt im System von maximal ≤ 0,01 mg/m³).
  • Zusätzliche Grenzwerte: Obligatorische dezentrale Sterilfiltration sowie strenge Gas-Grenzwerte für Kohlenstoffdioxid (CO₂ ≤ 500 ppm) und Kohlenstoffmonoxid (CO ≤ 5 ppm).


Technische Umsetzung und Anlagensicherheit

Die Erzeugung erfolgt über hochspezialisierte, zentrale Kompressorstationen, die zwingend nach dem sogenannten „3-Quellen-Prinzip“ (dreifache, redundante Absicherung) aufgebaut sein müssen. Eine lückenlose Dreifachfiltration zur Abscheidung von Partikeln, Öl und Wasser wird durch sterile Endfilter direkt vor den Entnahmestellen ergänzt. Eine permanente Online-Überwachung der Gasqualität und eine lückenlose GMP-Dokumentation (Good Manufacturing Practice) sind gesetzlich vorgeschrieben.

Warum sind diese Maßnahmen so extrem streng?

Der primäre Fokus liegt ausnahmslos auf der Patientensicherheit, da bereits kleinste Verunreinigungen oder Keime in der Atemluft die Gesundheit geschwächter Menschen akut gefährden würden. Im Rahmen der pharmazeutischen Qualitätskontrolle wird das Netz wie eine Produktionsstätte behandelt, bei der jede Charge permanent messtechnisch geprüft und überwacht werden muss.